Jonathan Bertin

Profil Jonathan Bertin

© Jonathan Bertin

„Ich fühle mich zu Bildern hingezogen, die mich überraschen, die sich dem sofortigen Verständnis entziehen und sich erst mit der Zeit erschließen, sodass man immer wieder hinschauen möchte.“


von Josh Bright, 2. April 2026

Juror unseres Farbfotografiepreises 2026 (jetzt offen für EinträgeJonathan Bertin ist ein französischer Fotograf, dessen fesselnde, malerische Bilder das Ausdruckspotenzial der Farbe erforschen und das Alltägliche zu etwas still Transzendentem erheben.


Eine Reihe von Segelbooten, die sich in rhythmischen blauen und weißen Streifen auflösen. In einem stillen Schlafzimmer ergießt sich das lange, bernsteinfarbene Licht des späten Nachmittags über ungemachte Laken und wirft einen einsamen Schatten auf eine tiefe, strukturierte Silhouette. Anderswo schneidet eine Katze durch einen grellen Sonnenstrahl in einer dunklen Gasse, und geisterhafte Gestalten schweben über eine belebte Kreuzung, ihre Umrisse zu flüchtigen Spuren verzerrt. In Bertins Bildern wird das Gewöhnliche zu etwas Flüchtigem und Filmischem: Momente, die nicht einfach nur beobachtet, sondern gefühlt werden.


Sofort wird eine besondere Sensibilität spürbar: ein stilles Bekenntnis zur Atmosphäre statt zur Klarheit, zur Emotion statt zur Präzision. Seine Fotografien versuchen nicht, die Zeit einzufrieren, sondern ihre Bewegung und Textur in etwas Malerisches und Fesselndes zu übersetzen. Es ist, was er als Erkundung des „Ultrabanalen“ beschreibt, ein Raum, in dem das Alltägliche zum Experimentierfeld wird, geformt und neu interpretiert durch Farbe, Licht und Gestik.


Bertins Weg zur Fotografie war in vielerlei Hinsicht instinktiv. „Alles begann mit einer Familienreise“, erinnert er sich. „Ich kam mit 3,000 Fotos auf meinem Handy zurück und merkte, wie viel Spaß es mir machte, Neues festzuhalten.“ Was als einfacher Impuls begann, entwickelte sich schnell zu einer Leidenschaft; kurz darauf kaufte er sich seine erste Kamera und tauchte tief in die Welt der Fotografie ein, bevor er sich schließlich entschied, Fotografie zu studieren und sie professionell auszuüben.


Wie bei vielen zeitgenössischen Farbfotografen lässt sich seine Abstammung zum Teil auf die Pionierarbeit von zurückführen. Ernst Haas„Ich verstehe immer noch nicht, wie er in den 1950er-Jahren so kreativ sein konnte“, bemerkt Bertin und verweist auf den kühnen Einsatz von Unschärfe, Bewegung und Farbintensität durch den österreichischen Pionier – Elemente, die auch für Bertins eigene Arbeit zentral sind. Und obwohl Haas’ Einfluss in seinem Werk unverkennbar ist, reichen Bertins Inspirationen weit über die Fotografie hinaus.


Aufgewachsen in der Normandie, einer Region, die seit langem mit der impressionistischen Malerei in Verbindung gebracht wird, fühlte sich Bertin zu Künstlern wie … hingezogen. Claude Monetdessen Sensibilität für Licht und Atmosphäre sein Verständnis von Farbe neu prägte, und Edgar Degas, dessen unkonventionelle Kompositionen – angeschnittene Figuren, ungewöhnliche Blickwinkel und ein Gefühl der eingefrorenen Bewegung – seine Bildsprache weiterhin prägen.


Diese Bezüge sind nicht bloß ästhetischer, sondern konzeptueller Natur. Wie schon die Impressionisten vor ihm, geht es Bertin weniger um die Dokumentation einer Szene als vielmehr um die Vermittlung ihrer Empfindung, ihrer flüchtigen Energie. Sein künstlerischer Prozess nutzt Unvollkommenheit als Ausdrucksmittel: Bewegungsunschärfe, Langzeitbelichtungen und bewusste Kamerabewegungen werden nicht als technische Experimente eingesetzt, sondern als Mittel, um Formen aufzulösen und durch Farbe und Licht neu zu formen. Das Ergebnis sind Bilder, die zwischen Repräsentation und Abstraktion changieren, in denen Figuren zu Silhouetten werden und Straßen in Tonwertflächen verschwimmen.


Farbe fungiert dabei insbesondere sowohl als Sujet als auch als Struktur. „Meine Bilder beginnen oft mit einer einzigen Farbe“, erklärt er und beschreibt einen Prozess, in dem Farbtöne aus Texturen, Objekten oder flüchtigen Gesten entstehen, bevor sie sich ausbreiten und das gesamte Bildfeld prägen. Ein roter Streifen, eine blaue Spiegelung, das bernsteinfarbene Leuchten des späten Nachmittags – diese Elemente verankern seine Kompositionen und erzeugen eine subtile Spannung, die den Betrachter tiefer in das Bild hineinzieht.


Seinen Werken wohnt zudem eine stille Distanz inne. Die Motive sind oft verhüllt – durch Glas betrachtet, von Schatten umrahmt oder zu flüchtigen Spuren reduziert –, wodurch eine Perspektive entsteht, die zugleich intim und distanziert wirkt. Es ist ein Ansatz, der von anderen Farbmeistern wie dem großen [Name des Künstlers/der Künstlerin] entwickelt wurde. Saul Leiterund ist eine Betrachtungsweise, die die Erfahrung des Durchquerens der Stadt selbst widerspiegelt: beobachten, ohne zu unterbrechen, Fragmente sammeln, ohne sie vollständig zu besitzen.


In einer von Unmittelbarkeit und visueller Reizüberflutung geprägten Ära stellen Bertins Fotografien eine andere Herausforderung an den Betrachter. Sie entziehen sich der sofortigen Erfassbarkeit, entfalten sich langsam und offenbaren ihre Nuancen erst mit der Zeit. Diese Eigenschaft prägt sowohl seine künstlerische Praxis als auch seine Perspektive als Juror; er fühlt sich zu Bildern hingezogen, die ihn, in seinen Worten, „überraschen, die sich dem unmittelbaren Verständnis entziehen und sich erst mit der Zeit offenbaren, sodass man immer wieder hinschauen möchte.“


Sein Talent ist weithin anerkannt, und seine Werke befinden sich in renommierten Sammlungen wie der Fondation Hermès. Doch ob in seinen eigenen Fotografien, seinen Publikationen oder seiner Lehrtätigkeit – der Kern von Bertins Schaffen bleibt derselbe: Es ist eine poetische und eindringliche Erinnerung an die Fähigkeit der Fotografie, die Welt nicht nur zu beschreiben, sondern sie auf leise, subtile und nachhaltige Weise zu verändern.


Alle Bilder © Jonathan Bertin

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